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“Dat Schotteldook” oder “de afgelegte Unnerbüx von Oma”
Gerd Spiekermann begeistert mit Plattdeutschen Geschichten
Alle Erwartungen erfüllte Gerd Spiekermann am Samstag in
Hechthausens Ostekrone und bereitete seinem Publikum mit plattdeutschen Döntjes und Geschichten großes Vergnügen. Mit Herzblut und großer Wärme plauderte der Autor über Ereignisse des Alltages, die fast jeder der
200 Zuhörer so oder ähnlich schon erlebt hat oder aus seinem Umfeld kennt. Der durch häufigen Szenenapplaus unterbrochene Vortrag des volkstümlichen Künstlers endete erst nach Zugabe
und hinterließ eine hochzufriedene Zuhörerschaft in den späten Samstagabend.
Bereits die Ankunft von Gerd Spiekermann in der Ostekrone signalisierte einen besonderen Verlauf des Abends. Der Künstler verzichtete auf die Benutzung der
Garderobe hinter der Bühne und hing seine Jacke einfach in ein Fensterkreuz im Saal, den er den ganzen Abend nicht verließ. Persönliche Kontakte mit den
eintreffenden Zuhörern bereits vor Beginn der Aufführung - so manches Wort auf Platt war bereits vorher zu hören.
Folgerichtig dann auch die Antwort von Spiekermann, wie er sich die Beleuchtung im Saal wünsche: "Ik will de Lüüd sehn!"
Und bereits bei den ersten Sätzen des Hamburger Künstlers wird für ihn der Trip nach Hechthausen zum Heimspiel: Sofort beginnt er den Dialog mit den Zuhörern, die spontan und begeistert mitgehen. Natürlich
nimmt er Omas Sparsamkeitsfimmel mit der guten Seife gekonnt auf die Schippe, bei der "Jümmers son ollen Huckel" zu spüren ist, weil ein Rest alter Seife mit dem neuen Stück zusammengebackt wird.
Auch von seinem Horror als Kind vor “Omas iiskole Klo” berichtet er, und alle im Saal wissen genau, wovon er spricht. Kindheitserinnerungen werden wach an die
"ungeheizte Slovstuuv", die er so trefflich nachzeichnet. Auch der “Upgewarmte Kroom” vom Sonntag ist den Zuhörern bestens bekannt. Einen wahren
Begeisterungssturm löst er aus, als er den Alptraum so manchen Kindes in unverhofft auf hochdeutsch eingestreuten Worten beschreibt: “Schellfisch schmeckt nach
nichts! - außer nach Schellfisch!” Ein Höhepunkt sicher, als er den Zuhörern die Entwicklung von Omas “afgelegter Unnerbüx” erklärt, die zunächst als “Schotteldook"
herhält, als Fußabtreter fungiert und schließlich zum Feueranmachen im Ofen nützlich ist. Spiekermann muß selbst schmunzeln, als er sich vom Publikum abdreht
und genüßlich Oma nachahmt: “Nu is se all!” Zuvor hat er ein antikes Prachtexemplar einer Unterhose voller Genuß vorgezeigt und berichtet: “Se droog ja jümmers so
gediegene Slüpfers, de von buten so matt glänzend deen, un von binnen weern de so “angerauht” - heet dat.” Spiekermann läßt es sich nicht nehmen, mit sichtlichem
Vergnügen mit dem Finger die Löcher seines mitgebrachten Prachtexemplars akribisch aufzuspüren. Dieses Requisitenstück liebt er, ist ihm wichtig, “weil man so
was nicht mehr kaufen kannn”, wie er nach dem Auftritt später in kleinem Kreise erklärt. Als er die sprachliche Entwicklung von der Kasserolle zu Mutters “Kassrull”
beschreibt, weiß man, wie weit der Weg ist von Paris zu Spiekermanns Heimatort Ovelgönne “bei Brake!”.
Spiekermann trifft genau den Punkt, die Zuschauer sind begeistert. Die friedvolle und fröhliche Atmosphäre, die er geschaffen hat mit Hilfe der heimatverbundenen
Sprache, genießen alle sehr. Das macht ihm großen Spaß, wie er im Gespräch verrät. Er will kein Sprachbewahrer sein im messianischen Sinn. Nein, die Leute
unterhalten, auch ein bißchen Kabarett, das ist seine Sache, sagt er. Vor dem Auftritt weiß er noch nicht genau, was er bringen wird, das hängt vom Publikum ab.
Er sei flexibel, stelle sich mit seinen Geschichten auf die Zuhörer ein. Und wenn´s denen gefällt, genießt es auch der Künstler. Und das war in Hechthausen ganz
sicher der Fall: “War nett bei Euch”, sagt er beim Abschied zu den Veranstaltern vom Kulturkreis Hechthausen. Und bei allen Dabeigewesenen heißt es nicht mehr “Goh
mi af”, sondern vielmehr: “Gerd Spiekermann, kannst wedderkom!”.
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